Elektrostimulation


Elektrostimulation (auch Elektrosex, Estim oder E-Stim) steht für die Stimulation mit elektrischen oder elektronischen Hilfsmitteln. Dabei ist es egal, ob dies mit Gleichstrom oder mit niederfrequentem Wechselstrom geschieht. Die Stimulation passiert dabei über spezielle Geräte wie z.B. Violet Wands.

Die Elektrostimulation entwickelte sich aus der medizinischen Reizstromtechnik. Etwa 1900 wurden von Walther Nernst erste Therapien mit Reizströmen entwickelt. Deutlich später, etwa in den 1950iger Jahren, erkannte man, dass diese Therapien auch sexuelle Stimulation hervorrufen können. Durch das Gerät mit dem Namen „Relaxacisor“, welches eigentlich zur Muskelstimulation diente, wurden erste Schritte zur Elektrostimulation gemacht. Dabei wurden die Elektroden direkt an den Geschlechtsteilen oder in deren Nähe angebracht. Schnell wurden die Techniken in BDSM Spiele einbezogen.

Elektrostimulation

Mit den Jahren wurden mehr und mehr Geräte entwickelt, die unterschiedliche Wirkungen erzielen sollten.

MENS = Microamperage Electrical Neuromuscular Stimulator
MENS-Geräte sollten den Muskelaufbau fördern. Durch elektrische Muskelkontraktionen sollte der Aufbau von Muskeln angeregt werden.

TENS = Transkutane Elektrische Nerven-Stimulation
TENS-Geräte wurden ursprünglich eingesetzt zur Desensibilisierung. Sie sollten die Reizübertragung der Nerven reduzieren im Rahmen der Schmerzbehandlung.

Alle Geräte hatten gemein, dass sie nur bedingt für eine Elektrostimulation geeignet waren. Erst in den 1980iger Jahren wurden erste Geräte speziell für den Einsatz zur sexuellen Stimulation entwickelt. Mitte der 1990iger Jahre kamen auch erste digitale Modelle auf den Markt. Diese ermöglichten eine Vielzahl verschiedener Spielarten der Elektrostimulation mit nahezu unendlicher Zahl an Einstellungsmöglichkeiten. Mittlerweile gibt es Geräte, die mit Fernbedienungen funktionieren, auf Musik reagieren, nur mit kleinen Batterien auskommen und verschiedene Programme abrufbereit haben. Entsprechend ihrer Möglichkeiten gibt es auch große Unterschiede in den Preisen.

Wirkungsweise der Elektrostimulation

Die Übertragung des Stroms in den menschlichen Körper geschieht durch Elektroden. Über die Jahre wurden verschiedene Elektroden entwickelt, die speziell für den Einsatz zur Elektrostimulation entwickelt wurden. Klassisch werden auch noch immer die medizinischen Ein- und Mehrwegelektroden benutzt. Häufiger werden aber Elektroden genutzt, die spezielle Einsatzarten und –orte haben. Beliebt sind hier etwa leitende Butt-Plugs oder besonders angepasste und geformte Vulva-Elektroden für die Frau. Für den Mann gibt es Elektrodenstäbchen (auch Sonden genannt), die in die Harnröhre eingeführt werden können. Ähnlich den Dilatoren bei der Harnröhrendehnung.

Die Zahl der verschiedenen Elektroden ist riesig und doch haben sie alle eins gemeinsam. Je größer die Elektrode ist, desto besser und tiefer kann der Strom in das Gewebe eindringen. Weiterhin wird meistens zusätzlich leidendes Gleitgel genutzt, um die Wirkung zu verstärken. Am besten geeignet sind hierfür auf Wasser basierende Gele.

Der richtige Einsatz von Elektroden ist sehr komplex. Der Einsatz von großflächigen Elektroden verbessert das Eindringen des Stroms und somit auch die Stimulation. Zusätzlich verringert sie den oft auftretenden oberflächlichen, oft brennenden Schmerz. Wirkung und Schmerz werden also durch den Einsatz der Gegenelektrode beeinflusst. Noch komplexer wird es bei der Genital-Elektrode, unipolar oder bipolar. Die richtige Kombination ist Erfahrungssache, für Anfänger kaum zu bewältigen.

Anwendungen von Elektrostimulation

Die Anwendungen sind insgesamt gesehen nahezu unendlich. Sie hängen jedoch vor allem von den verwendeten Geräten selber ab. Stationäre Geräte bieten meist einen deutlich größeren Funktionsumfang als ihre mobilen Pendants. Dafür bieten die mobilen Geräte die Möglichkeit an fast jedem Ort zu stimulieren. Dazu kommt der Einsatz von Fernbedienungen, die weitere Anwendungsmöglichkeiten eröffnen.

Alle Geräte erzeugen ein Signal. Die Signale sind unterschiedlich, jedes Signal besteht aus unterschiedlicher Frequenz, Dauer und Intensität. Die Wirkung des Signals setzt erst ein, wenn der Stromkreis geschlossen ist. Er wird geschlossen durch den menschlichen Körper, der hier als Leiter zwischen den Elektroden dient. Während der Strom durch den Körper fließt, erzeugt er in den Nervenbahnen entsprechende Signale, die für die Stimulation sorgen.

Der Einsatz einer unipolaren Elektrode dient dazu den Strom über eine längere Distanz zu leiten. Bei einer bipolaren Elektrode ist die Distanz deutlich geringer, dafür ist die Wirkung deutlich intensiver.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Elektroden anzubringen um eine Stimulation zu erzielen.

– Direkte Stimulatio

Bei der direkten Stimulation wird eine Elektrode direkt an einem primären Geschlechtsteil angebracht, also der an Scheide oder dem Damm, dem Penis oder dem Hodensack. So werden direkt die Ströme am Ort der gewünschten Stimulation eingebracht.

– Reizstrom Stimulation

Hierbei werden die Elektroden nahe der Geschlechtsorgane angebracht, so dass der Strom durch die hindurch fließen muss. Dabei wird durch Reizstrom (ähnlich dem Muskeltraining durch Kontraktionen), die Erregung herbeigeführt.

– Eingeführte Stimulation

Bei dieser Variante wird eine Elektrode in den eingeführt in die Scheide, die Harnröhre den Penis oder in den After. Die Stimulation ist hier besonders intensiv, da sie aus dem Inneren heraus stattfindet. Besonders die Stimulierung der Prostata beim Mann wird als besonders lustvoll beschrieben. Diese Variante ist aber auch besonders risikoreich, da der Strom direkt im Körper ansetzt.

Um den gewünschten Effekt zu erreichen, können die Stromstärke und die Frequenz geändert werden. Die Wahrnehmung der unterschiedlichen Kombinationen ist individuell. Sie kann von einem leichten Kitzeln oder Prickeln, über ein deutliches Stechen, bis hin zu heftigem Pochen und Zucken reichen. Es ist auch möglich einen elektrischen Schlag zu erzeugen, ähnlich dem eines Weidezauns.

Im BDSM sehr beliebt ist der Violet Wand. Dabei handelt es sich um einen mit elektrischer Ladung belegten Glaskolben. Durch Kontakt mit der Haut sorgt er für kleine elektrische Schläge. Kombiniert mit einer Augenbinde beim Bottom entsteht neben der elektrischen Spannung auch eine emotionale Spannung. Der Bottom weiß nicht, wo ihn der nächste Stromschlag treffen wird.

Im BDSM gibt es zwei Arten der Anwendung. Die beliebtere ist die Elektrostimulation zum Lustgewinn. Dabei wird der Bottom durch den Strom sexuell stimuliert und zum Orgasmus gebracht. Auch die sogenannte Lustfolter ist hier möglich. Dabei wird der Bottom immer und immer wieder zum Orgasmus gebracht, bis dieser vollkommen erschöpft ist. Bei weiblichen Bottoms wird durch die Elektrostimulation auch gerne das Squirten hervorgerufen. Dabei sollte der Top darauf achten, dass die Spannung abgeschaltet wird, sobald die Frau squirtet, da es durch die Flüssigkeit zu einer erhöhten Leitfähigkeit kommen kann.

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Die zweite Möglichkeit ist das Zufügen von Schmerzen zum Lustgewinn. Der Schmerz der durch Strom entsteht ist speziell und intensiv. Masochistische Tops mögen es ihrem Bottom einen stechenden oder brennenden Schmerz zuzufügen. Diese Anwendung erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl vom Top, da hierbei schnell Grenzen überschritten werden. Außerdem erfordert es sehr viel Vertrauen vom Bottom in den Top, immerhin ist diese Technik durchaus tödlich.

Gefahren der Elektrostimulation

Der Einsatz von Strom am und im menschlichen Körper birgt ein enormes Gefahrenpotential. Er kann von Gewebeschäden bis hin zu Tod führen. Selbst vermeintlich geringen Stromstärken (z.B. 40V) können unter ungünstigen Bedingungen (starkes Schwitzen des Bottoms und damit erhöhte Leitfähigkeit) zum Tod führen.

Nerven sind elektrische Signalleiter des menschlichen Körpers. Das Einbringen von Signalen von außen kann zur Störung der körpereigenen Signale führen. Dies kann alle möglichen negativen Auswirkungen auf dem Körper haben. Generell wird davon abgeraten Elektroden oberhalb der Gürtellinie einzusetzen.

Bei hohen Frequenzen kann es zu Verbrennungen kommen. Durch lange Elektrostimulation kann es zu einer Vergiftung kommen. Durch dissoziierte Eiweißmoleküle oder Produkte der Elektrolyse kann auch nach Stunden noch der Tod des Bottoms eintreten.

Ungeeignete Elektroden können zu Hautrötungen, Blasenbildung, Geschwüren oder Hauterosionen führen. Hierbei können auch bleibende Gewebeschäden entstehen oder das Gewebe absterben. Insbesondere bei analen Praktiken können diese Schäden lebensgefährlich sein und auch unbemerkt auftreten.

Nur geprüfte Geräte bieten eine gewisse Sicherheit. Deshalb sollte die Nutzung von Eigenkonstruktionen unterbleiben.

Der Einsatz von Elektrostimulation darf bei Bottoms mit Herzschrittmachern auf keinen Fall eingesetzt werden, es besteht akute Lebensgefahr! Ebenfalls sind derartige Spiele bei Bottoms mit Herzerkrankungen zu unterlassen.

Niemals darf ein Mensch direkt an eine Steckdose oder Autobatterie (oder vergleichbare) angeschlossen werden!

Strom darf auf keinen Fall direkt über das Herz geleitet werden!

Der Abstand zwischen den Elektroden sollte nicht zu groß werden, da sonst immer größere Spannungen benötigt werden, um einen Effekt zu erzielen.

Elektroden müssen auf der Haut bleiben, niemals darunter (z.B. durch Nadeln). Liegen die Elektroden in bzw. unter der Haut, umgeht dies den Hautwiderstand und bereits geringe Stromstärken können extreme Auswirkungen haben!

Elektrostimulation ist gefährlich. Deshalb sollte die nur der durchführen, der ganz genau weiß was er tut. Unwissenheit kann zu schweren Verletzungen und sogar zum Tod führen. Deshalb Finger weg vom Strom, wenn ihr nicht zu 100% sicher seid.

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Andreas Kolarik

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